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Mütter- und Kinderheim Alpenblick

Geschichte

Das Mütter- und Kinderheim Alpenblick wurde 1906 ursprünglich als Hotel Alpenblick an der Seestrasse in Hergiswil im Kanton Nidwalden erbaut. Das Saison-Hotel rentierte jedoch wenig und wurde bereits im ersten Weltkrieg nicht mehr als Hotel genutzt. Stattdessen waren kriegsversehrte deutsche Soldaten einquartiert. Nach dem Krieg war das Haus geschlossen und wurde 1920 vom Schweizerischen Katholischen Fürsorgeverein für Frauen, Mütter und Kinder erworben und zu einem Kinderheim umfunktioniert. Anfänglich noch von St. Anna-Schwestern betreut, übernahmen 1936 bis 1944 deutsche Schwestern des Freiburger Klosters St. Trudpert das Heim. 1923 wurde zudem die Schweizerische Katholische Pflegerinnenschule eröffnet. Ab 1945 wurde das Heim vom Gemeinnützigen Verein Caritas aus Zürich übernommen.

Im «Handbuch der sozialen Arbeit in der Schweiz, 1933" steht zu lesen: «Mütter- und Kinderheim ,Alpen­blick, Hergiswil (privat; römisch-ka­tholisch). Gegründet 1920 ( ... ) Le­dige Mütter und ihre Kinder finden darin liebevolle Unterkunft, Pflege und Erziehung. Eintritt jederzeit vor der Niederkunft. Es werden auch junge Mütter, die aus der Entbin­dungsanstalt entlassen wurden, bevor sie ihre Stillpflicht erfüllt haben, mit dem Kinde aufgenommen und bis zu ihrer vollständigen Genesung im Heim verpflegt. Die Kleinen können bis zum erfüllten 3. Altersjahre im Heim belassen werden. Leitung und Pflege der Mütter und Kinder durch St. Annaschwestern von Luzern, de­nen Schülerinnen der Pflegerinnen­schule zur Mithilfe beigegeben sind. Täglicher Arztbesuch, abwechslungs­weise Kinder- und Frauenarzt. Platz für 30 Mütter und 85 Kinder. Die Hausinsassen helfen bei allen Hausge­schäften. Sie werden zu sauberer, ex­akter Arbeit angehalten, damit sie nach Austritt befähigt sind, eine gute Stelle zu versehen und durch soliden Verdienst ihren Mutterpflichten nach­zukommen.» (Handbuch der sozialen Arbeit in der Schweiz, 1933)

"Hergiswil. - Fürsorgeheim ,Alpenblick". Zweck der Anstalt: Katholische Entbindungsanstalt.
Höchstzahl der Plätze: 40 (Mädchen und Frauen).
Eintrittsalter: unbegrenzt.
Zahl der ständigen Erzieher: 4,
des Gesamtpersonals: 18.
Beschäftigungsmöglichkeiten: Hauswirtschaft, inkl Waschen und Bügeln. Leiterin der Anstalt: Frau Agnes Bloch-Ming. Kosten: Pro Tag Fr. 2.50 bis 3.50, je nach den Verhältnissen. Anmeldungen an die Direktion." (Heime für die schwererziehbare Jugend in der Schweiz, herausgegeben vom Schweiz. Verhand für Schwererziehhare, 1933)


Wie gegen andere Kinderheime auch, wurden auch gegen das Mütter- und Kinderheim Alpenblick heftige Vorwürfe laut, welche unter anderen das Wegnehmen von Kindern bei ledigen Müttern, insbesondere Jenischer zum Inhalt hatten. Auch das Weiterreichen von Kindern an Bauer als Verdingkinder wurde dem Heim zum Vorwurf gemacht.


1971 wurde das Haus an die Gemeinde Hergiswil verkauft und später abgerissen.


Quellen

  • "Hergiswiler", 21. Jhg., Nr. 2, August 2004
  • "Hergiswiler", 27. Jhg., Nr 1, April 2010
  • "Beobachter", Christof Schilling, 9. Mai, 2006
  • "Fahrendes Volk - verfolgt und verfemt, Jenische Lebensläufe", Dokumentiert von Thomas Huonker, Radgenossenschaft der Landstrasse (Hrsg.), Limmat Verlag 1987
  • "Zwangsadoption" - Eine zeitgeschichtlich-journalistische Recherche im Auftrag des Vereins netzwerk-verdingt; Fredi Lerch, 2014
  • Galle, S (2009). Man darf das nicht vergessen. Polis. Das Magazin für Politische Bildung, 2009(2):9-11, Universität Zürich

Heime für die schwererziehbare Jugend in der Schweiz, Schweiz. Verhand für Schwererziehbare (Hrsg.), 1933


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